Wenn man die Deutschkenntnisse von Bang!Bang!Eche! als Maßstab für ihre Reputation nehmen würde, hätten die Neuseeländer wohl keine guten Chancen. Denn mit Wörtern wie “Schlampe”, “Ficken” und “dummer Ausländer” kommt man hierzulande nicht sonderlich weit. Aber gut, dass Zach, Charlie, James und T’Nealle noch weitaus mehr zu bieten haben als schlechte Sprachkenntnisse, nämlich eine unbändige Energie auf der Bühne und Spielfreude, die man so nur selten zu spüren bekommt. Wir trafen das Dance-Punk-Quartett kurz vor ihrem Konzert im Magdeburger Club Projekt 7 und sprachen mit den jungen Newcomern (alle 19 und 20 Jahre) über ihre Deutschlandtour, Lady Gaga und ihr geplantes Album.
MH: Ihr seid jetzt ein paar Tage durch Deutschland getourt. Wie sind eure Eindrücke?
Charlie: Es ist wärmer als bei unserem letzten Besuch. Ja, es ist wirklich ein warmer Winter. Was habt ihr gemacht?
MH: Globale Erwärmung?
Charlie: Oh, ihr wart das? Danke. Nein, beim letzten Mal als wir in Berlin waren, hat es noch geschneit.
James: Ja, die Shows waren auch super. Am besten haben uns aber die Bahnhöfe hier gefallen. Wir mögen Bahnhöfe.
MH: Ihr habt bis jetzt zwei EPs veröffentlicht und hattet bereits eine Menge Erfolg in Amerika, Europa und natürlich auch Neuseeland. Was denkt ihr über den Hype? Gibt es einen Hype?
Zach: Ich hab nicht das Gefühl, dass es ein Hype ist. Nein, wir haben jede Menge Spaß, schlafen auf fremden Fußböden, trinken Bier und genießen einfach die Zeit.
Charlie: Doch, nächste Woche sind wir auf dem Cover des Rolling Stones, das wird richtig groß.
MH: Eure erste EP wird im Internet zum freien Download angeboten. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
BBE: Weil es der beste und einfachste Weg ist.
Zach: Heutzutage verdient niemand mehr Geld mit dem Verkauf von Platten. Man muss eben versuchen, das über das Touren rauszuholen und man muss wohl auch etwas clever sein. Das sind wir nicht. Deswegen geben wir die Songs einfach kostenlos raus.
Charlie: Wir sind eben noch recht unbekannt. Es ist auch naiv zu denken, man könnte an einer verkauften Platte Geld verdienen, wenn sie eh online gestellt wird. So erreichen wir einfach mehr Leute, wenn wir sie von Anfang an zur freien Verfügung stellen.
T’Nealle: Ja und es kommen dann auch mehr Leute zu den Shows, weil sie deine Musik kennen.
Zach: Für die zweite EP muss man aber bezahlen. Sorry.
T’Nealle: Ja, kauft eine und bekommt die andere umsonst. Das ist doch ein guter Deal.
MH: Plant ihr ein Album für nächstes Jahr?
James: Ja, unbedingt. Wahrscheinlich kommt es im Sommer raus.
T’Nealle: Und wir nennen es „The German Summer Album Volume One“.
MH: Ja, das wäre echt großartig. Findet ihr, dass es einen Unterschied zwischen der Musikszene in Deutschland und in Neuseeland gibt?
T’Nealle: In Deutschland gehen alle sehr spät auf Partys. Um die Uhrzeit schlafen wir gerne schon in Neuseeland.
Charlie: Ja, Deutschland ist wie Wellington (Hauptstadt von Neuseeland). Wellington ist quasi auch die kulturelle Hochburg: verrückte Partys, Konzerte und sowas.
Zach: Bei einem Konzert spielten wir um 1 Uhr nachts, Einlass war um 12, aber um 2.30 Uhr kamen immer noch Leute in den Club. Ich könnte das nicht. Ihr geht wohl vorher immer noch in irgendwelche Bars, was trinken. Wenn ich halb 3 betrunken aus ner Bar kommen würde, wäre ich nicht mehr in der Lage, Party zu machen.
MH: Während der Tour habt ihr mit vielen großartigen Bands zusammen gespielt. Gibt es eine bestimmte Band, mit der ihr euch gerne mal eine Bühne teilen würdet?
Zach: Beethoven, wenn er wieder kommt. Nein, ernsthaft, zum Beispiel mit Kanye West. Nein, ich will ne Tour mit Lady Gaga. Das wäre die beste Show aller Zeiten. Und es ist sicher ziemlich cool, mit ihr backstage abzuhängen. Aber in Hamburg hatten wir einen Tag frei und da wurde uns spontan angeboten mit The Raveonettes zu spielen, das war sehr cool für uns.
Charlie: Ja, mit JT (=Justin Timberlake). Das wäre der Wahnsinn.
MH: Kennt ihr irgendwelche deutschen Bands?
BBE: Digitalism, Kraftwerk, Bonaparte, Robocop Kraus.
T’Nealle: Ja, diese hier hat mir gestern ein Mädchen empfohlen. (wühlt einen Zettel aus der Hosentasche vom Abend davor, darauf steht: Die goldenen Zitronen.)
MH: Welche Musik beeinflusst euch?
BBE: Wir mögen viele Bands aus Neuseeland. Zum Beispiel The Mint Chicks. Und wir lieben Die!Die!Die! und So So Modern.
T’Nealle: Und auch Death From Above 1979.
Zach: Ja, aber auch 50 Cent. Es ist aber nicht so, dass wir die Musik hören, und denken: “Ja jetzt schreiben wir so einen Song.”
MH: Welche Platten hört ihr gerade auf Tour?
BBE: Die neue EP von Pains Being Pure At Heart „Higher Than The Stars“. Und “Crime of Love” von Comanechi. In Amerika haben wir viel JJ gehört, das ist eine skandinavische Künstlerin.
Charlie: Ich liebe den neuen Hot Chip-Song „Take it in“.
MH: Seid ihr gerade bei einem Label? Ich hab da was von Kitsuné gelesen?
BBE: Nein, sind wir nicht, das ist erfunden. Das hat unser letzter Booking-Agent versaut. Er hat seinen Job nicht gerade gut gemacht. Er dachte, es wäre einfacher, Shows für uns zu booken, wenn wir bei einem Label unter Vertrag sind. Aber das war nie der Fall. Wir haben zwar mal mit Kitsuné geredet, aber daraus wurde nichts. Und sie haben auch nicht unsere EPs veröffentlicht, das haben wir selber gemacht.
MH: Oh, na gut, dass wir das geklärt haben. Was wäre eigentlich, wenn ihr jetzt nicht touren würdet und keine „Rockstars“ wärt? Was würdet ihr im „normalen Leben“ machen?
Zach: Wahrscheinlich Selbstmord begehen. Nein, also wenn ich nicht in ner Band wäre, würde ich durch Neuseeland reisen und Motivationsreden halten. So nach dem Motto: „Leute hört her, ihr müsst diesen ganzen Mist nicht kaufen, den ihr im Fernsehen seht.“ Und: „Schickt eure Kinder zur verdammten Schule!“
Charlie: Ich würde nach Paris ziehen und mich verlieben.
T’Nealle: Ja, irgendwelche Sachen machen und in meinem Haus abhängen.
James: Mich dumm rauchen. Oder einfach ne Weile in den Busch gehen und „mich selbst finden“.
MH: Auf euren Konzerten geht es wild her, Leute springen herum und tanzen. Wurdet ihr schon mal dabei verletzt?
Zach: Emotional oder körperlich?
MH: Beides.
Zach: Emotional gesehen, jedes Mal. Ich bin mal aufs Drumkit gesprungen und in der Menge gelandet, da habe ich meinen künstlichen Zahn verloren, den ich mit 18 bekommen habe. Einmal hat sich ein Mädchen den Fuß gebrochen wegen mir. Und ein anderes fing sogar mal an zu schreien, weil ich so verdammt brutal war. Sie konnte damit nicht umgehen, schätze ich.
MH: Welchen Rat würdet ihr jungen Bands geben, die bekannter werden wollen?
Charlie: Macht es nicht. Es ist es nicht wert.
Zach: Spielt einfach so oft wie es geht und überall. Kurz gesagt: Tut genau das, was Die!Die!Die! tun und euch kann nichts passieren. Das rate ich jeder Band: Seid wie Die!Die!Die!.
James: Raucht kein Crack.
MH: Seid ihr an Weihnachten zuhause?
BBE: Ja, definitiv. Wir haben bald ein paar Wochen Pause. Dann fliegen wir zurück, um etwas Geld zu verdienen. Dann touren wir ein paar Tage durch Australien. Danach nehmen wir das Album auf. Und dann, geht’s zurück zu den Bahnhöfen!
MH: Wieviele Songs werden auf dem Album sein?
BBE: 26? Es könnte auch ein Doppelalbum werden. Nein, wir denken 10 Songs, das ist eine gute Zahl. Ja, nur Madonna kann 36 Tracks auf ein Album packen.
(Daraufhin folgte eine längere Diskussion über Madonna, Lady Gaga und Popmusik.)
MH: Da sind wir auch schon bei der letzten Frage angelangt. Unser Mag heißt Music Heroes. Welcher Superheld wärt ihr, wenn ihr es euch aussuchen könntet?
Charlie: Ich wäre dieser Typ aus Captain Planet, den niemand mochte, der mit dem Affen. Seine Superkraft war ein Falke, weil er Indianer oder sowas war.
Zach: Ich wäre Morpheus aus Sandman.
T’Nealle: Ich wäre Crafterella.
James: Ja ich würde sagen: Superman, weil ich so verdammt großartig bin. Oder doch Yogi Bär? Nein, nein, ich nehme Winnie Pooh. Ja genau, ich wär Winnie Pooh. Fuck Superman!


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schönes interview! die leute scheinen ja echt cool drauf zu sein!
na aber hallo! great dudes from NZ!
die leute sind in der tat sehr cool drauf! ich hatte auch das glück mich mit denen unterhalten zu dürfen :D