Mitten im heißesten Sommer um vier Uhr morgens die zerfeierten Klamotten ins Ufergras werfen, nackte Füße in den ruhigen kühlen See waten lassen und abtauchen. Am anderen Ufer strahlen beeindruckend Lichtinstallationen in allen Farben des Universums, wummern gedämpft Beats. Klingt entfernt glückliches Lachen entspannter Menschen. Im Wasser planschen, rückenschwimmend Sterne gucken, den Augenblick genießen: Herzlich Willkommen beim La Pampa!
Nur wenige Stunden zuvor waren wir gemeinsam mit ca. 2500 anderen Gratulanten ins Dreiländereck nahe Görlitz gepilgert, den 3-jährigen Geburtstag eines der schönsten Festivals hierzulande zu feiern. Und Acts aus Deutschland, Dänemark, Italien, Frankreich, Tschechien, Polen, Türkei, USA und Großbritannien standen parat, ihre Geburtstagsständchen zum Besten zu geben und das sonst so beschaulich idyllische Freibad Hagenwerder vom 9. bis 11. Juli in einen brodelnden Hexenkessel zu verwandeln. Es würde heiß werden an diesem Wochenende – und das in jeder Hinsicht!
Liegen in der Erinnerungskiste der letzten beiden La-Pampa-Jahre noch der nasse Schlafsack, schlammige Chucks und verregnete Fotos, rissen in diesem Jahr gefühlte 40°C im Schatten schon bei Ankunft ein großes Loch in unseren Getränkevorrat. Zum Glück ist für Nachschub vor Ort sehr gut gesorgt, wie wir bald bemerkten. Für Erstbesucher gestaltet sich die obligatorische Erkundungstour erstaunlich fix, da Campingplatz, Badesee und Festivalgelände nur wenige Schlucke Pilsner Urquell voneinander entfernt sind. Perfekt, denn die ersten Töne schallten schon einladend von der Bühne! Flanschies eröffneten hier am späten Nachmittag den Reigen, gefolgt von Earthband. Aucan mussten ihren Bühnenplatz krankheitsbedingt an Yacht aus Portland, Oregon abtreten, die das Disco-Volk mit psychedelischer Tanzmusik und glamourösem Auftritt schwer begeisterten. Kristen aus unserem östlichen Nachbarland folgten und leiteten mit grungigem Postrock Made in Poland gekonnt über zu den Flashguns aus London. Im undurchdringlichen Dickicht an Newcomern aus Großbritannien eine Band, der man getrost schon jetzt Größeres prophezeien kann und die auf dem La Pampa ihre Deutschlandpremiere mit Bravour absolvierten. Spätestens nach diesem schweißtreibenden Auftritt war auch der Letzte angekommen in der wunderbaren Welt der Pampa.
Über Tocotronic muss man keine schnörkeligen Worte mehr verlieren. In gewohnter Größe rockten sie durch den Abend. Lediglich kurz irritiert durch eine Richtung Band fliegende Plüschtier-Invasion, die dann aber mit souveränem Grinsen ins Bühnenarrangement eingebaut wurde. Noch ein kurzer Besuch beim französischen Electro-Noise-Pop-Projekt Cercueil, dann lieferten auf der Mainstage schon die drei Electropopper Who Made Who die definitiv beste Bühnenshow des Abends. Wer danach noch immer nicht genug hatte, konnte beschallt von Mashpit vor der Zeltbühne weitertanzen oder unter freiem Himmel im Cine La Pampa den Blick auf die Leinwand und den dahinterliegenden See genießen. Mit Faith Akins “Soul Kitchen” und einem lieben Menschen im Arm die erste Festivalnacht ausklingen lassen – was braucht man mehr zum Glücklichsein?
Auf der Caravan-Campingwiese kroch die Hitze ab 8 Uhr morgens erbarmungslos in die Busse, so mancher Zeltschläfer schlappte schlaftrunken schon weitaus früher durchs Pampagras auf der Suche nach Abkühlung. Und so versammelte man sich nach und nach am Badesee, wo die Hands Up Exitement schon seit 9 Uhr morgens auch hitzeresistente Zelter, die ihre Übernachtungsmöglichkeit direkt an der Seebühne gewählt hatten, aus ihren Zelten groovten.
Gestärkt durch vor Ort frisch erworbenes Bio-Frühstück und ausgerüstet mit allerlei lustigem Schwimm-Equipment ließen sich die tropischen Temperaturen des Vormittags zumindest am und im Badesee locker ertragen. Beim Auftritt von Katze auf der Zeltbühne war hitzebedingt allerdings kaum noch einer in der Lage, sich zu erheben. Alle hockten schwitzend auf dem Boden im Zelt. Lustiger war dann doch, sich vor der Hauptbühne von fachmännisch installierten Gartenschlauch-Wasserspielen besprenkeln zu lassen. Auch eine der vielen kleinen liebevollen und doch großartigen Ideen, die dieses Festival ausmachen.
So erfrischt konnte es weitergehen mit den Nürnbergern Yucca, gefolgt von DVA aus Tschechien. Keine Verschnaufpause ließen Trip Fontaine, SDNMT und Italiens instrumentale Postrock-Truppe Giardini di Miró.
Die absolute Live-Überraschungspaket an diesem Abend wurde mit Hundreds ausgepackt. Ein seltsamer Zauber lag über der nebeligen Szenerie, in der das sympatische Geschwisterpaar aus Hamburg den staunenden Konzertbesucher mit einer selbstverständlich wirkenden Ernsthaftigkeit in den Bann ihrer electropoppigen Klangwelten saugte.
Mit ruhigen Takten ging es weiter bei Get Well Soon. Musikalisch perfektionistisch und im geschniegelten Outfit, wirkte ihr Bühnenauftritt leider recht bemüht, was die Leidenschaft an ihrem Tun etwas vermissen lies und bei den meisten ein eher respektzollendes Mitwippen als wirkliche Begeisterung erzeugte.


Nach so viel bewegungstechnischer Enthaltsamkeit musste die angestaute Energie jetzt einfach raus. Und wer stand da wie gerufen grinsend auf der Zeltbühne? Waren ClickClickDecker und Der Tante Renate im letzen Jahr noch einzeln beim La Pampa zu bewundern, erstürmten sie dieses Jahr mit ihrem gemeinsamen Projekt Bratze die Herzen der Pampanauten. Seit März diesen Jahres sind sie gar mit eigenem Tonträger unterwegs. Schon im Festival-Programmheft wurde vorausschauend gebeten: Bitte lasst die Bühne ganz! Woher dieser Wunsch rührte, wurde fix klar. Das randvolle Zelt drohte schon bei den ersten Songs zu explodieren. Partytechnisch auf jeden Fall der Höhepunkt dieses Wochenendes!
Völlig erledigt, jedoch blendend gelaunt ging es anschließend wieder rüber auf die Hauptbühne, wo sich Alcoholic Faith Mission von der guten Stimmung tragen ließen und ihrerseits noch einige Grad aufs Stimmungsbarometer drauflegten. Rundum glückliche Konzertbesucher konnten nach den letzten Tönen in die sternenklare Nacht entlassen werden. Nun ab in die Koje und vielleicht noch zwei, drei Stündchen Schlaf bis einen die eigenen Schweißbächlein wieder von der Matratze spülen.
Am Sonntag gab es noch einiges auf der Seebühne zu bewundern. Acts wie Fuji Kureta, Kat Frankie, Lonski & Classen und The Friendlyness Is Going Happy waren auf jeden Fall einen Besuch wert. Doch die Hitze zwang viele dann doch zuerst in die Knie und anschließend zurück auf die Autobahn.
“Großartig, dass wir endlich mal richtig Sommer hatten. Fantastisch, dass Pampanauten scheinbar das entspannteste Partyvolk der Welt stellen. Unglaublich, wie gut Musik auch bei 40° im Schatten klingen kann.” heißt es im ersten Kommentar auf der Webseite des Veranstalters. Und wir fügen noch hinzu: Einzigartig, beim La Pampa zu Gast zu sein!
Respekt! Wir freuen uns auf den vierten Streich.
schön geschriebenes review. vorallem hundreds bleiben unvergessen. das war Gänsehaut pur,:) next year auf alle Fälle wieder la pampa!
okay, also ich kann mich hier nur anschließen. aber mein persönliches highlight war tocotronic. und ich finde, es gibt schon was dazu zu sagen. nämlich: arne hat mal wieder vorn gestanden und gesungen. jaaa, die alten kamellen.. ganz große klasse war das – ich habe (fast) meinen verstand verlorn. und wie rick mc. phail dann das schlagzeug übernommen hat – hat mir gut gefallen. hat eigentlich noch jemand den jan bei “who made who” vorn im publikum sich freuen sehn?? konnte ihn leider nicht in ein gespräch verwickeln, da mich meine stimme schon auf der hinfahrt zum la pampa verlassen hatte :))
und sonst.. jede menge tolle bands aus dem in- und ausland. sehr schön alles in allem. und was noch zu sagen wäre: sogar mit kindern lässt sich dieses fest wunderbar feiern.
klein – fein – so soll es nächstes jahr wieder sein!!