Berichte / Konzerte

Konzertbericht Erland & The Carnival im Beatpol / 27.04.2010

Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, bisher noch mäßig umjubelte Geheimtipps ganz ohne Star-Allüren und Security-Brimborium in gemütlichen Clubs bewundern zu dürfen, bevor sie in nicht allzu ferner Zukunft zugige Hallen füllen. Für Anhänger dieses abendlichen Freizeitspaßes ist der Beatpol in Dresden eine empfehlenswerte Adresse – und auch an diesem Tag bot sich mit Erland & The Carnival wieder eine hervorragende Gelegenheit.

“Come closer!” lud Frontmann Erland Cooper das etwa 50 klatschende Händepaare zählende Häufchen Zuschauer ein, näher an die Bühne zu rücken. Unverständlich, dass nur so wenig Leute da waren und diesen musikalischen Leckerbissen nicht verpassen wollten. Aber so fiel es leicht, einen Platz in der ersten Reihe einzunehmen. Dieser eröffnete den Blick auf fünf gutgelaunte Briten und ihre Musikinstrumente, ergänzt um ein paar wunderliche Utensilien: Ein prominet platziertes Ziegelstein-Provisorium hielt das im Vordergrund stehende Schlagzeug an seinem Platz, die dazugehörige Drummer-Bestuhlung bestand aus einem bereits bemüllbeutelten Tret-Eimer. Und zwischendrin sorgte ein merkwürdiges Eigenbau-Effektgerät für neugierige Blicke und im Laufe des Abends noch für interessante Töne. Schon nach den ersten Live-Takten wurde klar: Diese an sich bodenständigen, aber in diesem Zusammenhang verschrobenen anmutenden Details passen hervorragend zur eigenwilligen und zugleich eingängigen Musik der Kapelle. Folk at its best, neu interpretiert und verziert mit einem ordentlichen Schuss Sixties-Psychedelic-Pop – das macht Laune! Neben kleinen elektronischen Einspritzern und den Beats der Trommel sind es vor allem die Einflüsse aus den 60ern, die das Ganze aufpeppen und rund werden lassen.

Auch wenn Simon Tong, der Mann mit den Hanfschuhen und ehemaliger Gitarrero von Blur und The Verve während des gesamten Gigs hochkonzentriert sein Instrument bediente und dabei die Miene kein einziges Mal verzog, konnte man spüren und sehen, dass die Band ordentlich Spaß hat bei dem, was sie tut. Und wenn der charismatische Frontmann bei Trouble in Mind mit sanfter Stimme singt: I didn’t mean to disappoint you, I’m just sorry that I did, spielt es keine Rolle mehr, ob man in der ersten Reihe einer Masse von tausend oder nur fünfzig Besuchern mit geschlossenen Augen dahinschmilzt. Auch die Wenigen vor der Bühne schafften es, eine herzliche Zugabe zu erjubeln und mehrmals bedankte man sich ehrlich begeistert für unser Kommen. Während des Konzerts und auch danach bis zur Abfahrt des Tourbusses kamen die Bandmitglieder entspannt und freundlich daher.

Zufrieden genoss Drummer David Nock auf seinem Fußweg zurück ins Hotel den betörenden Aprilduft und heimeliges Vogelgezwitscher im frühlingserblühten Dresden Altcotta. Wir hoffen, er hat den Weg gefunden. Erland & The Carnival haben das auf jeden Fall!

“Hey, thanx for coming!” Danke die Herren, das können wir nur zurückgeben. Beim nächsten Mal werden wir uns in die erste Reihe kämpfen müssen. You guys make it big. You should.

Vielen Dank, Carola.

myspace // offizielle website // beatpol.de

geschrieben von Kerstin am 30. April 2010 // 3:10 Uhr
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