“Elend bei Sorge” klingt auf den ersten Blick nicht gerade sehr einladend, doch was sich in der beschaulichen Harzgemeinde kürzlich beim dritten Rocken am Brocken – Festival abspielte, ist alles andere als besorgniserregend. Beim Überfliegen des Flyers, wunderte man sich doch zunächst, wie es die Veranstalter geschafft hatten, so großartige Bands wie Portugal.The Man und Tiger Lou in das Harzer Nest zu locken. Doch Vorurteile beiseite – das Festival ist vor allem aufgrund der (noch) überschaubaren Besucherzahlen und dem (noch) flach gehaltenen Ticketpreis auf Anhieb symphatisch.
Alleine die Anreise, die unter Umständen über die Rappbodetalsperre (höchste Talsperre Deutschlands) führte, hinterließ gewaltige Eindrücke.In Elend angekommen, wurde man unweigerlich auf das Festivalgelände, dem Gieseckenbleek geleitet, das mit einer großzügigen Wiesenfläche umringt von Bäumen und Bergen glänzte. Zur Überraschung gab es auch hier Parkeinweiser, die einem unmissverständlich klar machten: “Nich`so dicht an dem rechten Auto parken bitte!”.
Der überaus kurze Weg vom Parkplatz zum Zeltplatz hob die Vorfreude gleich noch ein Stück höher und die sonst so übliche lange Rumschlepperei der notwendigen Festivalutensilien erwies sich als fix abgefertigte Angelegenheit. Campingstuhl rausgeholt, Bier aufgemacht, die Gegend bewundert – hier kann man`s aushalten, ohne Frage. So sollte es immer laufen bei Festivals.
Ach, da war ja noch was! Die ersten Bands spielten bereits auf der Hauptbühne, gleichzeitig aber auch auf einer kleinen Bühne in dem zirkusähnlichem Zelt, in dem zu späterer Stunde auch die Aftershowdisko stattfinden sollte. Erstes Highlight des Abends waren ohne Zweifel die schwedischen Indierocker Tiger Lou. Die Band um Mastermind Rasmus Kellerman sorgte schon im Vorherein für allerlei Spekulationen um eine baldige Auflösung. Diese wurden dann aber auf der Homepage dementiert, (Tiger Lou is NOT going to brake up) – man wolle nur eine mehrjährige musikalische Pause einlegen, um sich anderen wichtigen Dingen zuzuwenden. Mit dem Alltime-Hit “Sell Out” als Opener ging es bereits beim ersten Ton mächtig im Publikum und auch auf der Bühne zugange. Tiger`s nordisch-verzweifelter Gesang entlockte dem einen oder anderen Anhänger dann doch noch eine Gänsehaut zu früher Abendstunde. Die Kilians sorgten in gewohnt lässiger Garagerock-Manier für einen charismatischen Auftritt auf der Harzer Bühne, bevor sie ab dem 25. August als Support von “Coldplay” auf deren Deutschlandtour die großen Bühnen für drei Shows erklimmen werden. Das Chaotenteam von Schluck den Druck machte in diesem Jahr bereits Festivals wie das Melt! unsicher und sorgte auch beim RAB für dauerhaft neonfarbene Glücksgefühle. Beim Auftritt der zwei Hauptakteure (auch nich mehr die jüngsten wohlbemerkt), ging das Publikum ab wie bei einem Schlussverkauf und die vordersten Reihen bekamen den vollen “Druck” in Form von hämmernden Bässen und druckvollen Schüben von hinten zu spüren. Raus aus dem Gedrängel und rüber zur Hauptbühne. Dort hatten sich bereits die Fastfood-Electropunker von Frittenbude warm gespielt und brachten einen Kracher nach dem andern. Klares Zuschauerhighlight war das Cover von “Raven gegen Deutschland” der Audiolith-Kumpels “Egotronic”. Utz Utz, bam bam! Die anschließende Aftershowdisko im Zelt mit dem Northern Lite DJ Team forderte nochmals alle Reserven aber hätte den ersten Festivaltag nicht besser ausklingen lassen können. Langsam kroch die frostige Kälte in die Knochen und manch einer direkt in seinen mulmigen Schlafsack.
Samstag
Der zweite Tag brach an und die Temperaturen stiegen auf dem Campingplatz. Das nahegelegene Waldfreibad spendete Abkühlung für die erhitzten Gemüter und auch noch eine weitere Option zur Erfrischung bot sich an: Schluck den Druck machten ihrem Namen alle Ehre und sorgten mit Feuerwehrschlauch und positiver Attitude für super Festivalstimmung auf dem Zeltplatz. Den Nachmittag über spielten Bands wie Sixxxten, Diego, Super 700 und Der Tante Renate, seines Zeichens Electroartist bei Audiolith, die überschaubare Fanmenge in Richtung abendliche Partystimmung. Olli Schulz überzeugte vor allem mit seinem publikumsnahen Auftritt, indem er prompt ein Mädel aus der Crowd zog und mit ihr den “Bibo” tanzte – gute Laune vorprogrammiert.
Was will man mehr als bärtige, langhaarige Schwedenrocker, die mit ihrer Stimme auch das letzte Eis zum Schmelzen bringen? Herzallerliebst und mit viel Charme spielten sich Friska Viljor in die Herzen der Festivalbesucher. Mit dem Indie-Dauerbrenner “Monday” als Opener ging es von Beginn an nur noch vorwärts und die zum Mitsingen anregenden Songs endeten in minutenlangen “ohs” und “ahs” sing-a-longs bei den Fans Ohne Zweifel – Absolutes Highlight bis dato!
Der Headliner des Abends wurde mit viel Spannung erwartet: Portugal.The Man aus Alaska/USA zogen eine durchweg professionelle und beeindruckende Show durch, die psychedelischen Riffs und Keyboardklänge ließen so manchen in eine Art Trancezustand fallen und Sänger John Gourley war selbst wohl auch kaum wirklich “anwesend”. Der Song “People Say” – absoluter Ohrwurm! Definitiv eine tolle Liveband. Last but not least – Bosse bildeten kurz nach Mitternacht mit ihren gefühlvollen Texten einen fast schon melancholischen Abschluss vom zweiten und letzten Festivaltag beim “Rocken am Brocken”. Aber nur fast – denn im Zirkuszelt traf sich das Partyvolk noch ein letztes Mal zur Aftershowdisko mit dem Radio Rockland DJ Team.
Mit knapp 2000 Besuchern kann das RAB circa 500 Besucher mehr als im Vorjahr verbuchen und blickt auf eine überaus positive Zukunft, denn die tolle Festivalatmosphäre gepaart mit den internationalen sowie deutschen Acts kann sich sehen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass auch der günstige Ticketpreis von 27 Euro im nächsten Jahr erhalten bleibt…
Eindrücke vom Rocken am Brocken 2009
nächstes jahr bin ich auch dabei! schöne eindrücke und toller bericht =)
[...] Ein junges, aber sehr rapide wachsendes Festival, wir berichteten. So durften in diesem Jahr allein neben Größen wie Tiger Lou auch Portugal. The Man oder [...]