Von künstlicher Intelligenz ist die Rede, von Verschmelzung von Mensch und Maschine, von futuristischen Lebensvisionen, wenn es um Einflüsse geht, die Foals zu ihrem zweiten Album Total Life Forever inspiriert haben. Was sich schon beim ersten Vorab-Track Spanish Sahara andeutete, erstreckt sich über alle elf Songs des neuen Albums: Stücke, die mehr Raum für Gefühle lassen, die zurück zu den Wurzeln finden und sich naiver als beim Vorgänger Antidotes mit emotionalen Themen auseinandersetzen.
Musikalisch weniger komplex, rhythmischer und durchaus gelöster wirken die Songs auf Total Life Forever. Es ist fast so, als fiele Antidotes in die pubertäre Phase der Oxforder Jungs, die sich für ihr Zweitwerk in das mehrfach erwähnte “House of Supreme Mathematics” eingeschlossen haben und im Kollektiv an den neuen Songs tüftelten. Dabei tauchten die Musiker förmlich in ihren neuen Sound ein, der sich nach Aussage des Sängers Yannis durch die unterschiedlichen Hörgewohnheiten und Geschmäcker der Mitglieder verändert hat. “Ich habe versucht, in den Songs ein klareres Bild zu malen und Rätselhaftigkeit nicht als Ausrede zu verwenden. Ich wollte direkter sein, ehrlicher. Es sind weniger Masken im Spiel“, so der Frontmann im Intro-Interview.
Der überragende Triumph des Debütalbums lag wie eine schwere Erfolgsdecke, gemacht aus Hypefedern, über der Oxforder Band. Der Druck, ein würdiges Nachfolgealbum zu produzieren war – wie auch für viele andere Musiker, die so schnell an die Spitze schießen – enorm hoch. Foals ließ das anscheinend kalt. Sie haben dem Sound, der sie so berühmt machte, den Rücken gekehrt. Naja, jedenfalls halb, denn Einflüsse von Mathrock, Postpunk und New Wave sind auch in den neuen Songs nicht zu überhören. Anstelle von vertrackten, überdrehten Tracks stehen jetzt weitläufige, atmosphärische und intime Songs, die sich fast ausschließlich über mindestens vier Minuten Länge entwickeln.
Alleine der Opener Blue Blood steigt mit einer melancholischen Rhythmik ein und ebnet den Rest des Albums, das durch Yannis teils zerbrechlich wirkende Vocals bestimmt wird, die ab und an in höhere Tonlagen umschwenken und wieder einen Funken Hoffnung auf ein besseres Leben geben. You showed me my way back home. To where I was born. Where I belong. Where I belong. Der gleichnamige Albumtrack Total Life Forever bringt einen Hauch Funk und Soul in das Geschehen, und strotzt im Gegensatz zu den anderen Songs nur so vor Glückseligkeit. Den wohl poppigsten Sound liefert This Orient, der im Refrain ganz stark an Bands wie Bloc Party erinnert. Einen komplett neuen Sound zu erschaffen – schier unmöglich. Der 50-sekündige Instrumentaltrack Fugue springt zwar irgendwie aus der Reihe, aber gehört doch zum Gesamtkonzept des Albums. Und das muss, oder sollte im Ganzen gehört werden. “We really did set out to make a whole piece with this record. But what can you do? It’s impossible. You can try to get the message across as much as possible but if people use shuffle on their iPods you can’t stop them. People listen to snippets of single songs now. I find myself doing it. Attention spans have become shorter”, so Bassist Walter in einem Interview. Sänger Philippakis verarbeitet in den Texten auch seine familiäre Herkunft, spricht über Höhen und Tiefen im Leben, über menschliche Beziehungen. “Ive been to the darkest place you know” singt Yannis im letzten Track What Remains.
Fazit: Im Großen und Ganzen ein düsteres und nachdenklicheres Album, das die Weiterentwicklung der englischen Indieband durch weite, offene Songs mit tiefen Emotionen und visionären Texten deutlich macht. Fans des ersten Albums sei ans Herz gelegt, Total Life Forever eine Chance zu geben, sich zu entfalten. Als Nachfolger wird das Album zumindest den Ansprüchen von Foals gerecht.
Total Life Forever ist ab heute (7. Mai) im Handel erhältlich. Live könnt ihr die Jungs an folgenden Terminen sehen (Tickets kaufen):
20. Mai – Hamburg, Übel & Gefährlich
28. Mai – Köln, Luxor
4. Juni – Rock am Ring & 6. Juni – Rock im Park
16. Juli – Melt! Festival, Gräfenhainichen
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